Freitag, 11. Mai 2012

ÜBRIGENS: Ankunft Kolumbien, die volle Wahrheit - Anschlag in Capurgana 01.03 - 03.03.2012

Wir machen einen Schritt zurück zum Anfang, als wir kolumbianischen Boden berührten, passend um die Berichterstattung über Kolumbien abzuschliessen. Wir entschieden uns mit diesem Blogeintrag zu warten, bis wir Kolumbien verlassen, da wir vermeiden wollten, dass ihr euch Sorgen macht ;-)

Wir schreiben den 1. März 2012. Alle Passagiere auf dem Katamaran Santana freuten sich nach 5 Tagen auf See wieder sicheren Boden unter den Füssen zu haben.
Die Sonne schien, 28 Grad, blauer Himmel... die Stimmung war sehr gut.





Wir fuhren in den kleinen Hafen Sapzurro ein. Dies ist die erste Ortschaft von Kolumbien an der Küste gelegen. Kapitän Gisbert ankerte ca. 20 Metern vor Land.
Ein Boot mit zwei Einheimischen fuhr auf uns zu. Sie sprachen mit dem Kapitän und dem Marinero Luis.


Größere Kartenansicht

Dann einige Minuten später rief Gisbert alle Passagiere zusammen. Sinngemäss seine Worte: "Hört zu, wir dürfen uns nicht bewegen. Im Nachbardorf Capurgana hat es auf dem Flughafen einen Anschlag der FARC gegeben. D.h. auch für uns gibt es im Moment keine Möglichkeit nach Capurgana zu gehen. Wir bleiben für den Moment alle hier. An Land gehen direkt hier ist möglich. Die Lage kann sich jederzeit ändern."

So nutzten wir den Landgang. Erstes Foto auf kolumbianischem Festland.

Wir schauten uns im Dorf um.
Auf dem Steg lief ein Soldat nervös telefonierend hin und her.

Wir setzten uns und tranken was.

Plötzlich hiess es zurück aufs Boot.
Dort wurden wir informiert, dass ein Schiff nach Capurgana fährt, damit wir zum Grenzposten gehen können und den Stempel in unseren Reisepass bekommen.

Auf gings ins Boot. Hohe Wellen schüttelten uns wie in einer Nussschale herum. Gisbert hatte alle unsere Pässe. Das kleine Dorf Capurgana machte einen friedlichen Eindruck. Auf zum Grenzposten.
(Rechts) Gisbert unser Kapitän offerierte uns noch eine zusätzliche Nacht auf dem Boot zu verbringen.
Mit den Resten kochten sie dennoch ein feines Nachtessen. Gisbert konnte sich nicht daran erinnern, dass jemals so etwas passiert war (seit 9 Jahren fährt er diese Strecke).
Am nächsten Morgen um 7 Uhr, alle waren bereit um nach Capurgana zu gehen. Wieder die Nachricht, es dürfe kein Boot fahren.
Mittlerweile hatte das Militär im Hafen von Sapzurro mit einem grösseren Boot geankert.
Fünf Passagiere entschieden sich das Boot zu verlassen und den 1 stündigen Weg durch den Wald von Sapzurro nach Capurgana in Angriff zu nehmen. Der Kapitän konnte sie nicht aufhalten.
Wir und das holländische Ehepaar blieben weiter auf dem Boot und spielten Karten.
Eine halbe Stunde später konnten auch wir per Boot Sapzurro verlassen. Die Sperre wurde aufgehoben.
In Capurgana warteten viele Menschen auf ein Boot nach Turbo, jedoch vergebens. Denn kein weiteres Boot fuhr an diesem Tag nach Turbo.
Wir nahmens locker und suchten uns ein günstiges Hostel.
Wir genossen trotzdem das schöne Wetter und das herzige Dorf, das übrigens nur per Boot oder Kleinflugzeug erreichbar ist.
Ständig versuchten wir uns über die Lage zu informieren, speziell wann Boote nach Turbo fahren. Entgegen aller Aufregungen tranken wir frische Fruchtsäfte an der Strandbar.
Die Bewohner von Capurgana kümmerte die Aufregung wenig. Es wurde den alltäglichen Aufgaben nachgegangen.
Viel los war auf alle Fälle nicht.
Am nächsten Morgen standen wir um ca. 6 Uhr auf dem Schiffsteg bereit. Wir traffen andere Reisende wieder von unserem Katamaran. Die Polizei und das Militär versuchten Ordnung in das Ganze zu bringen. Es stand fest, das ein Boot kommen würde. Somit wollten alle einen Platz auf dem Boot erhaschen. Es wurde so organisiert, dass zuerst die ausländischen Touristen evakuiert werden und dann Kolumbianer. Als das Schiff kam, wurde natürlich gedrängelt. Dennoch bekamen wir noch einen der wenigen Plätze auf dem grossen Schnellboot. Erst danach sahen wir das noch 2 weitere Boote gefüllt wurden.

Es war ein Schnellboot der Navy.
Natürlich auch besetzt und gesteuert von Soldaten der Navy.
Das Schiff wurde von lauten und starken Motoren angetrieben. Üse musste anscheinend aus Gewichtsgründen und weil er ein Mann war mit Soldaten und 2 anderen Touristen direkt im hinteren Teil des Bootes stehen, direkt neben den Motoren. Es roch stark nach Benzin und die Motoren führten beinahe zu einer Gehörverringerung.
Da es sich um eine Evakuation der Navy handelte, fehlten selbstverständlich die Gewehre nicht (M-16).
Die Frauen trafen es auch nicht optimal mit der Sitzwahl. Sarah sass im vorderen Bereich und spührte jede Welle in ihrem Rücken.
Checkpoint in der Nähe von Turbo. Wir mussten alle unsere Namen und Passnummer aufschreiben.
Dennoch hatten wir das Lachen nicht verloren, wir freuten uns zu fest auf Kolumbien.
Nach ein bisschen mehr als 2 Stunden erreichten wir den Hafen von Turbo. Normalerweise hätte das Boot 30 Dollar gekostet, die Navy hat uns aber gratis evakuiert, gracias ;-) Trotz der zum Teil grossen Unsicherheit und Unklarheit - alles halb so schlimm. Nichts passiert. Obwohl das vielleicht im ersten Moment ein Dämpfer in Sapzurro war, nachdem man ja so viel gehört hat von Kolumbien... wir freuten uns nun richtig die Karibikküste zu bereisen. Übrigens handelte es sich beim Anschlag in Capurgana um Petarden, bei dem niemand verletzt wurde.
Und nun, nach unseren grossartigen Erlebnissen und Begegnungen mit diesen von Herzen freundlichen Menschen können wir wirklich nur Positives erzählen. Viva Colombia! Wir können euch eine Reise nach Kolumbien hier und jetzt wärmstens empfehlen. Die Bilder und Berichte sprechen für sich. Wir werden hoffentlich wieder einmal in dieses schöne Land zurückkehren.

Kommentare:

  1. Interessant - nach der kurzen Ungewissheit "gratis evakuiert" tönt auch nicht schlecht ;-)

    AntwortenLöschen
  2. das händer guet gmacht... bi also froh, dass ich das nöd gwüsst ha. und oii müettere sicher au!

    AntwortenLöschen
  3. Keine tolle Sache! - Wir gerieten in La Paz Bolivien ja auch in eine Demonstration (gell Melanie) wo geschossen wurde. Wir sind froh, dass es gut geendet habt. Viel Spass in Argentinien.

    AntwortenLöschen
  4. hui...abentüürlichi sach! aber zum glück isch alles guet gange!

    AntwortenLöschen